September & Oktober 2003 - Zeit der Ernte 

Dies ist die Zeit der Ernte, Zeit zum Feiern, Zeit, die Früchte deiner Arbeit zu genießen, die Fülle deines Lebens zu erfahren. Dies ist die Zeit, diese Fülle mit anderen Menschen zu teilen. Erntezeit ist die Zeit des Teilens. Auf welche Art und Weise auch immer: Teile dein Lachen, deine Tränen, deine Freude, deine Sorgen, deine Träume, deine Visionen, deine Lieder und Geschichten, dein Essen, deine materiellen Güter, dein Gebet, deine Meditation, deine Liebe und deine Heilung. Die Erntezeit ist die Zeit, wenn diejenigen, die mehr haben, denen helfen, die weniger haben. Dies ist der große Segen und das Ritual der Erntezeit – das zu teilen, was wir haben. 

Dann bringt uns diese Zeit Frieden, Harmonie und Gleichgewicht. Wenn jeder seine Ernte für sich behält, sie aus Angst vor anderen fernhält, dann gibt es ein Ungleichgewicht. In diesen Zeiten haben viele Menschen Angst um ihr Geld, ihre materiellen Güter, um ihre persönliche Sicherheit. Deswegen ist es so wichtig, die Lehre der Erntezeit zu verstehen. Es geht nicht darum, alles wegzugeben und darauf zu verzichten, sondern darum, dass man nach Wegen sucht, die Fülle im eigenen Leben mit anderen zu teilen. 

Die Zeit der Ernte ist eine Zeit, sich mit den Segnungen zu befassen, die uns zuteil werden, sich nicht darauf zu konzentrieren, was man nicht hat, sondern auf das, was man hat. 

Wenn du über die Geschenke und Segnungen der Ernte nachdenkst und darüber, wie du sie mit anderen teilst, dann vergiss nicht: Eins der größten Geschenkte ist es, das eigene Wissen und die eigenen Weisheit mit anderen zu teilen. Wenn du keine Angst hast, die Wahrheit zu sagen, wenn du das mitteilst, was du weißt, die Weisheit mit anderen teilst, die aus deiner persönlichen Erfahrung entspringt, wenn du keine Angst hast zuzuhören, die Weisheit und das Wissen von anderen entgegenzunehmen, aus ihrer Erfahrung zu lernen, dann ist das wirkliches Teilen. Es ist ein Erntedankfest, eine Feier. Behalte deine Weisheit nicht für dich, teile sie mit anderen.

Donna Leslie Thomson

September und Oktober sind die Monate, die astrologisch unter dem Zeichen der Jungfrau und der Waage stehen. Astrologie ist eine sehr einfache Lehre, die die Zyklen der Zeit und der Jahreszeiten berücksichtigt. Deswegen lernen wir viel über die Qualität dieser Zeit, wenn wir uns diese beiden Tierkreiszeichen näher anschauen. 

Das Zeichen Jungfrau wird traditionell als eine junge Frau mit einer Ähre dargestellt. Es ist der Archetypus der nährenden Göttin, wie zum Beispiel Demeter, die dafür sorgt, dass die Erde und das Land fruchtbar bleiben. Sorge tragen, Vorsorge treffen, sich um das Lebensnotwendige kümmern, um genug zum Leben zu haben – dies ist eine Aufgabe der Jungfrau-Phase. „Ohne Fleiß kein Preis“ heißt es in dieser Zeit. Und niemals wird dies so sichtbar wie zu Zeiten der Ernte. Ob im Herbst eines Jahres oder in den Erntezeiten unseres Lebens – wir können nur ernten, was wir auch gesät haben. Nur das, was unsere Fürsorge erhalten hat, unsere Energie und Aufmerksamkeit, wächst und gedeiht. Die Jungfrau ist deswegen das Zeichen der Arbeit und des Dienstes. Sie verrichtet ihre Aufgaben mit Liebe und Hingabe, denn sie weiß, dass diese Liebe mehr ausrichtet als aller Ehrgeiz und alles krampfhafte Wollen. Sie ist dankbar für das, was sie ernten darf, sie schätzt die kleinen Freuden des Lebens und stellt keine großen Ansprüche. Sie weiß um den Wert von allem und ist ein Vorbild an Bescheidenheit. 

Was wir in den Jungfrau-Phasen des Lebens und des Jahreslaufs ernten, hat unsere Wertschätzung, weil wir dafür gearbeitet haben. Es steckt etwas von uns selbst darin, unsere eigene Lebensenergie. Und diese will fließen, will mit anderen geteilt werden. Allein für sich ist sie wertlos, es entsteht kein Austausch, kein Fluss, keine gegenseitige Bereicherung. 

Dies ist die Aufgabe der Waage. Dargestellt als Symbol der Gerechtigkeit und der Harmonie ist die Waage die Phase des Teilens und des Austauschs. Wir geben etwas und bekommen etwas anderes dafür. Nicht immer geschieht dies ganz unmittelbar und in gleicher Münze. „Bitte und dir wird gegeben“ heißt, dass wir bekommen, was wir brauchen. Was uns fehlt, können uns andere geben. Wo eine Lücke ist, darf sie gefüllt werden. Jeder einzelne von uns kann nicht alles. Die eine kann gut zuhören, der andere weiß, wie man ein Haus baut, der nächste erfreut sich und andere mit seiner Kunst. Wenn wir etwas verschenken, etwas geben, bringen wir den Fluss, den Austausch in Gang. Es entsteht ein Strom von uns nach außen, und damit ein Sog, der wieder andere Dinge zu uns hinzieht. Das, was uns fehlt. Wenn dieser Strom, dieser Fluss ins Stocken gerät, weil wir nicht mehr geben, weil wir horten, kann auch nichts Neues mehr zu uns fließen.

Die Waage kennt dieses Geheimnis des Austauschs. Sie ist das Symbol des Teilens und der Partnerschaft. Wenn zwei Menschen das miteinander teilen, was jeder von ihnen hat, dann werden sie vollständiger. Glücklicher. Zufriedener. „Geben ist seliger denn nehmen“ heißt es, aber ich glaube, das ist nur die halbe Wahrheit. „Geben ist das Gleiche wie Nehmen“ – so würde ich es ausdrücken wollen. Denn ich kann gar nicht geben ohne zu bekommen. Das Leben selbst sorgt dafür.

Deswegen ist die Sorge um die eigene Existenz, das ängstliche Festhalten an vermeintlichen Sicherheiten, die Schattenseite der Jungfrau. Sie ist nur die scheinbare Lösung in der Krise. Und die Unentschlossenheit, die Angst vor neuen Herausforderungen, ist die Schattenseite der Waage. Vertrauen und Mut sind die Heilmittel, die Fähigkeiten der gegenüberliegenden Zeichen Fische und Widder. Vertrauen in den Fluss des Lebens und Mut zum beherzten Handeln. Dies brauchen wir, um die Weisheit der Zeit der Ernte und des Teilens zu verstehen. Und ich wünsche es uns allen.

Sabine Bends